Heute sind mir einige sehr interessante Gedanken im Zusammenhang mit Märkten, Wirtschaftswachstum und Wohlstand durch den Kopf geschossen.
Vor einigen Tagen habe ich in irgend einer Sendung (leider weiß ich den Namen und auch den Sender nicht mehr), in der es um Philosophie und Bildung in der heutigen Zeit ging, mitbekommen, dass "..wir als Gesellschaft immer mehr Fachidioten 'heranzüchten' würden..." (frei aus meinem Gedächtnis). Dass dies nicht wirklich erfreulich ist, versteht sich von selbst - jedoch hatte ich mir vorerst keine weiteren Gedanken darüber gemacht.
Heute habe ich mir zufälligerweise mal die Frage gestellt, was dies für unsere Wirtschaft bedeutet - und ich war sehr überracht zu welchem Schluss ich letztendlich gekommen bin. In wie weit ich damit richtig liege, kann ich nicht genau sagen, jedoch möchte ich euch diese Gedanken nicht vorenthalten und zur Diskussion stellen:
- Hauptinstrument unserer Wirtschaft ist, auch wenn wir in keiner komplett freien Wirtschaft leben, der Markt.
- Als Wirtschaftswachstum wird eine positive Veränderung des BIP (Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen einer Wirtschaft) bezichnet.
- Dieses Wirtschaftswachstum wird oftmals (auch, oder gerade von Polotikern) als ein Indikator für eine Verbesserung des Wohlstandes des Landes gesehen.
(Dies gilt womöglich für den durchschnittlichen Wohlstand, jedoch nicht automatisch für den Wohlstand des Durchschnittsbürgers.
So steigt bspw. der durchschnittliche Wohlstand, wenn es 3% der Bevölkerung um 50% besser als vorher geht, gleichzeitig jedoch 50% der Bevölkerung um 2% schlechter.) - Wir alle tragen zu diesem Wirtschaftswachstum durch erhöhten Konsum bei, z.B. indem wir mal teuer Essen gehen anstatt sich zu Hause etwas zu kochen (Annahme: Man kocht sich zu Hause etwas günstigeres. )
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Und nun kommt unser "Fachidiot" ins Spiel... - Unser (zugegebenermaßen extremer) Fachidiot hat in seinem Leben kaum etwas anderes gelernt als sein Fach - er kann kaum kochen, gar nicht putzen und weiß sich im Leben auch sonst nicht zu helfen, wenn es nicht gerade sein Fach ist.
- Da unser Fachidiot jedoch in seinem Fach sehr gut ist, verdient er sehr gutes Geld.
- Daher kann er es sich leisten immer auswärts Essen zu gehen, eine Putzfrau einzustellen und - wenn es notwendig wird - einen Fachmann, der sich in diesem Gebiet auskennt, zu beauftragen und zu bezahlen.
- Unser Fachidiot, wahrscheinlich genau so wie der Fachmann den er geholt hat, ist doch der Perfekte konsument, oder nicht?
Wäre unser Land voll von solchen Leuten, würden sich die Politiker wohl sehr freuen, den die Wirtschaft müsste doch boomen, oder nicht? - Aufgrund der Tatsache, dass unser Fachidiot nur einseitig gebildet ist, ist er nämlich dazu gezwungen, sich alle anderen Waren und Dienstleistungen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse über den Weg des Marktes zu beschaffen.
- Inwieweit dies jetzt gut oder schlecht ist, dürft ihr nun selbst entscheiden. Jedenfalls scheint mir dieser Mann für unser Wirtschaftssystem ein echter Segen zu sein.
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Nach diesen Ausführungen scheint mir unser Wirtschaftssystem sehr Spezialisierungsfördernd zu sein. Eine breitere Bildung erscheint mir eher hinderlich, wenn dadurch Selbstversorgung mit weiteren Gütern günstiger wird als die Beschaffung über den Markt.
Oder anders ausgedrückt
Und die Moral von der Geschichte:
Wollt ihr die Wirtschaft in unserem Land fördern, dann erkennt ihr nun evtl. einen möglichen Weg...
Achja, und wenn ihr komplett für eure Bedürfnisse sorgen könnt, seit ihr - salop ausgedrückt - soetwas wie der Staatsfeind Nr.1 - oder sagen wir lieber der Feind Nr.1 unseres Wirtschaftssystems, da ihr nichts (oder kaum etwas) über den Markt beschaffen müsst.
...ich überlege gerade welcher der Weg einen zu einem fähigeren Menschen macht...
...und was erstrebenswerter ist...
...und ob eine solch extreme Spezialisierung zu einer optimalen Allokation der Güter führt...
Nun seid ihr dran: Was denkt ihr dazu?
Habe ich womöglich einen Denkfehler in meiner Argumentation?
Oder, falls ihr der Argumentation zustimmt: Wo geht es hin mit uns? Und wollen wir da wirklich hin?
Bin sehr gespannt auf eure Meinungen!
P.S.: Habe ein Paar sehr interessante(und wohl bessere) Indikatoren für materiellen Wohlstand gefunden: Engel-Koeffizient und Human Development Index(schaut euch mal die Grafik an!) und Wohlfahrtsfunktion



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